Was für ein Wahlabend! Für ein paar Stunden war ich doch tatsächlich MdL. Aber was dann passierte, ist eigentlich nicht vorstellbar.
Als um 18:00 Uhr die erste Prognose über die Bildschirme flimmerte, war die Freude riesig. 12,5 % für die Grünen. Auf Anhieb 24 Sitze. Ich war drin! Damit hätte niemand gerechnet.
Prompt hagelte es SMS, Anrufe, Emails, Facebook-Nachrichten. Eine Flut, die ich bis jetzt noch nicht sichten konnte. Wir waren uns – leider – zu sicher.
19:00 Uhr: Im Stadthaus angekommen darf ich sofort O-Töne an den WDR (mit meiner unterlegenen CDU-Mitbewerberin wurde ein “Gewinner und Verliererin”-Interview gemacht), an den General-Anzeiger, an Radio Bonn/Rhein-Sieg und weitere MedienvertreterInnen abgeben. Ein tolles Gefühl war das. Nach wie vor sah man uns Grüne mit 24 Sitzen im Landtag.
21:00 Uhr: Zurück auf der grünen Wahlparty steigt die Feierlaune weiter. Das ZDF sieht uns zwischendurch schon mit 25 Sitzen im Landtag. Ich scheine sicher drin zu sein.
22:17 Uhr: Der Schock: Die Grünen sinken auf 12,1 %. 23 Sitze. Ich bin erstaunlich ruhig geblieben. Denn wir hatten ja noch keine Infos darüber, wie es mit den Ausgleichsmandaten aussieht. Ein NRW-Landtag ohne Überhangmandate? Unvorstellbar.
Gegen 01:30 Uhr: Köln lässt auf sich warten. Doch dann komt die Gewissheit. Es gibt keine Überhangmandate. Mit 67 Wahlkreisen hat die Union genau so viele Wahlkreise gewonnen wie ihr Sitze im Parlament zustehen. Und damit war klar: Ich bin nicht drin!
Und nun ist die politische Lage in Nordrhein-Westfalen total unklar. Die einzigen Möglichkeiten sind rot-grün-rot und eine große Koalition. Jetzt liegt es an uns, den kompletten Politikwechsel in NRW mit einem linken Bündnis zu vollziehen. Denn sowohl CDU als auch FDP gehören in die Opposition.
Ich werde jetzt wieder das tun, was ich seit Monaten vernachlässigt haben: Studieren! Und auch wenn mir das in diesem Moment keiner so recht glauben mag: Auch darauf freue ich mich!


